„Vielleicht genügt es, wenn wir den [Intelligenz-]Verstärker als eine ‚black box‘ betrachten, als einen Apparat, von dessen innerem Aufbau und von dessen einzelnen Zuständen wir nicht die blasseste Ahnung haben und an dessen Funktionsweise uns ausschließlich die Endresultate interessieren. […]

Da diese Methode neu ist und bisher niemals angewandt wurde, klingt sie - das gebe ich zu - eher nach einem Konzept aus einer absurden Komödie als nach einer technologischen Produktionsanweisung. Deshalb will ich hier Beispiele nennen, die vielleicht ihre Anwendbarkeit glaubwürdiger erscheinen lassen. Man könnte etwa (das ist gemacht worden) in ein kleines Aquarium, in dem sich eine Kolonie von Infusorien befindet, ein wenig pulverisiertes Eisen hineinschütten. Die Infusorien werden zusammen mit der Nahrung auch geringe Mengen des Eisens in sich aufnehmen. Wenn wir nun von außen ein Magnetfeld an das Aquarium anlegen, wird es die Bewegung der Infusorien in einer bestimmten Weise beeinflussen. Veränderungen der Feldstärke bedeuten nun Veränderungen bei den ‚Signalen‘ am ‚Eingang‘ unseres ‚Homöostaten‘, während die ‚Ausgangszustände‘ allein vom Verhalten der Infusorien bestimmt werden. Daß wir einstweilen nicht wissen, wie sich dieser ‚infusorisch-magnetische‘ Homöostat anwenden läßt, und daß er in dieser Form mit dem hypothetischen Intelligenzverstärker nichts gemein hat, interessiert uns hier nicht. Uns kommt es auf folgendes an: Obwohl wir die tatsächliche Komplexität des einzelnen Infusoriums überhaupt nicht kennen, obwohl wir sein Konstruktionsschema keineswegs aufzeichnen können, so wie man etwa das Schema einer Maschine aufzeichnet, ist es uns trotzdem gelungen, aus diesen uns im einzelnen unbekannten Elementen eine gewisse übergeordnete Ganzheit zu schaffen, die bestimmte Systemgesetzen unterliegt und ‚Eingänge‘ und ‚Ausgänge‘ für Signale besitzt. Statt der Infusorien kann man auch gewisse Arten von Kolloiden benützen oder elektrischen Strom durch mehrphasige Lösungen schicken, wobei sich dann unter Umständen bestimmte Substanzen abscheiden und die Leitfähigkeit der gesamten Lösung in der Weise verändern, daß ein ‚positiver Rückkoppelungseffekt‘, d. h. eine Signalverstärkung, entsteht. Es sei nicht verschwiegen, daß diese Versuche bisher keine bahnbrechenden Resultate ergeben haben und daß es sehr viele Kybernetiker mit Argwohn erfüllt, wie hier ketzerisch von dem traditionellen Arbeiten mit elektronischen Elementen abgewichen und nach neuen Materialien, neuen Bauelementen gesucht wird, die dem Bauelement lebender Systeme in gewisser Hinsicht ähneln (was durchaus kein Zufall ist!).“

(Stanisław Lem, Summa technologiae)

Der „Lemtank, ein triviales Kommunikationshilfsmittel, ursprünglich erfunden von dem großen Prognostiker des 20. Jahrhunderts, Stanislaw Lem. Der Lemtank enthielt Millionen von mikrokopischen Infusionstierchen, ständig oszillierend in den Brownschen Molekularbewegungen. Diese Infusionstierchen bekamen ein schwach eisenhaltiges Salz in ihre Nahrung und reagierten daher auf elektromagnetische Impulse. Wie es genau zuging, wußte keiner, aber offenbar erhielt die Masse der Amöben eine Homöostasie aufrecht, die so beschaffen war, daß das Schiff unfehlbar an seinem Platz im komplizierten Koordinatensystem des tiefen Raums blieb. Von dort aus konnten sie auf Verlangen jede beliebige andere Bahn berechnen und, natürlich, eine Projektion des veränderten Sternenhimmels von jedem gewünschten Ort in der berechneten Bahn liefern. Das einzige Risiko bei diesen halb biologischen, halb elektronischen künstlichen Intelligenzen war, daß die Infusionstierchen bei längerem Gebrauch, zumal wenn die Sauerstoffzufuhr nicht ganz perfekt ausgewogen war, degenerieren konnten und somit jeden Nutzen verloren.“

(Lars Gustafsson, Das seltsame Tier aus dem Norden und andere Merkwürdigkeiten)